Der Acker des Lebens

Unser Leben könnte ein großer Acker sein. Am Anfang ist er leer und weit und der Boden ist fruchtbar. Alles ist bereit die Entwicklung eines Menschen gedeihen zu lassen. So säen die Eltern, die Erzieher und Lehrer, so wie alle anderen Begegnungen. Manche sind wohltuender Regen und förderlicher Dünger für unsere Talente und ureignen Neigungungen. Andere sind wie Unkraut und Schädlinge und setzen sich zwischen unsere Vorlieben und Charakterstärken und lähmen unser Wachstum oder lenken es in eine falsche Richtung. Jedoch ist der Weizen hoch und die Ähren golden. Sie wiegen sich im Wind wie ein Meer und wir genießen die Aussicht auf die Ernte unserer Bemühungen und unseres Strebens: Ein guter und sicherer Beruf, gesunde Kinder, eine glückliche Beziehung und ein schönes Haus. Es soll es bleiben bis wir sterben. Mit Kammern voller Weizen freuen wir uns auf ein sorgloses Dasein im Alter.

Doch zur Lebensmitte hin kommen Stürme, Hochwasser oder Dürre. Nicht alles können wir retten: Manche Menschen stehen da, vor dem eben noch herrlichen Weizenfeld und es bleibt nur wenig zu ernten. Enttäuscht und wütend retten sie was noch zu retten ist. Der Plan für die sorgenfreie Zukunft ist hinfällig. Doch wer sich voller Gram vom Acker des Lebens zurückzieht, verpasst etwas. Gott hat uns nicht nur den Weizen gegeben, der gut und wichtig war, um unsere Familie zu gründen und zu versorgen. Er hat vielen von uns noch eine Saat für die zweite Lebenshälfte gegeben. Ein Schatz, der sich erst entwickeln kann, wenn der Weizen abgemäht ist und das Licht wieder bis auf den Boden durchdringt. Dann regt sich etwas Neues auf dem Boden. Etwas, das ohne dass der Weizen vorangegangen ist, gar nicht wachsen könnte. Dieses Neue verlangt andere Nährstoffe und baut auf unsere Erfahrungen auf. Ohne sie wäre die neue Saat nicht fähig sich zu entwickeln.

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